Aus dem Hause MELKUS 

Heute fasziniert der RS 1000 zweifach. Zum ersten durch das äußere Erscheinungsbild. Man muß das Auto schon im Vergleich zu anderen Fahrzeugen sehen, um seine "wahre Größe" zu erahnen. Seine Höhe von nur 1,07 m läßt ihn wie den Hecht im Karpfenteich wirken. Überall, wo er seine Auftritte hat, sind sofort jede Menge interessierte Zuschauer zur Stelle. Diejenigen, die nicht wissen, um was für ein Auto es sich handelt, nehmen, meistens sehr ungläubig, zur Kenntnis, daß so etwas in der DDR gebaut wurde.
Zum zweiten fasziniert das Auto, wenn man es "erfährt". Dieser Prozess beginnt schon beim Einsteigen: Flügeltür öffnen; in geduckter Haltung Hinterteil auf dem Schweller positionieren; Beine einfädeln und sich seitlich in den Schalensitz sinken lassen. Man hat das Gefühl, der Hintern befindet sich nur wenige Zentimeter über der Straße (was ja auch stimmt) und der Kopf ist auch nicht viel höher.
Schließlich hat man es geschafft und wenn man nicht größer als 1,70 ist, sitzt man sogar sehr komfortabel. Größer als 1,85 sollte man keinesfalls sein. Tür zu, Zündschlüssel rum, ersten Gang rein und ab geht es (beim Anfahren nicht abwürgen: das ist peinlich wegen der vielen Zuschauer).
Niedrige Drehzahlen mag der Zweitakter nicht, und wenn man ihn voll zur Brust nimmt verspürt man ein heiseres Fauchen im Rücken.
Lenkung und Schaltung sind gewöhnungsbedürftig. Die Lenkung, weil sie nicht so hundertprozentig direkt wie bei einem Fahrzeug der Gegenwart ist, die Schaltung, weil das Gestänge eine beträchtliche Länge hat und das Einlegen des fünften Ganges, der sich an einer vollkommen unvermuteten Stelle befindet, einer separaten Schulung bedarf.
Das alles ist schnell vergessen. Letztlich staunt man nur noch, was aus siebzig oder neunzig PS alles herauszuholen ist.
Schließlich ist da noch der Blick in den Rückspiegel, der alle Unbequemlichkeit entschädigt, weil fast ein jeder Passant am Straßenrand dem Auto hinterher sieht.

Dass der RS 1000 auch Techniker fasziniert beweist der Prototyp eines Doppelmotors -
"6-Zylinder-V auf DDR". Zwei Wartburgmotore sind an ein Zwischengetriebe angeflanscht, welches mit der Kupplungsglocke des Getriebes verbunden ist. Theoretisch dürfte ein solcher Motor Leistungen von mehr als 100 PS bringen.

 

 

 

Foto: Michael Bluhm -TechnoClassica 2003

Und dass es durchaus Spielraum für Fantasie gibt, zeigt die Arbeit von Marco Brauer, der mit Geduld und Sachverstand weiter an dem Auto "zaubert"..

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